Was Käufer in Berlin heute wirklich abschreckt – und warum das für Verkäufer teuer wird
Von Saverio Pallocca – Immobilienberater in Berlin | August 2026
Ich treffe jede Woche Käufer in Berlin. Ich begleite sie durch Wohnungen, ich höre zu, was sie sagen — und ich beobachte, was sie nicht sagen. Was sie zuerst anschauen, wenn sie eine Wohnung betreten. Woran sie hängen bleiben. Was sie am Ende davon abhält, ein Angebot zu machen, auch wenn die Wohnung ihnen grundsätzlich gefällt.
Diese Erfahrung kann man nicht aus einem Marktbericht lernen. Man sammelt sie nur, wenn man dabei ist.
In diesem Artikel teile ich, was ich in den letzten Monaten beobachtet habe — und was das für Eigentümer bedeutet, die verkaufen möchten.
Zuerst die Zahlen — aber nur als Hintergrund
Bevor ich auf meine Beobachtungen eingehe, kurz der Marktkontext. Wer sich für die Daten im Detail interessiert, findet sie öffentlich und kostenlos — ich fasse hier nur zusammen, was für Verkäufer relevant ist.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Berlin rund 5.069 Bestandswohnungen beurkundet. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr liegt das rund 19 Prozent unter dem Ergebnis von 2025. (Quelle: Guthmann Estate, Market Intelligence Berlin Q2 2026) Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2025 waren es nach Angaben des Gutachterausschusses noch rund 6.100 Transaktionen im Bestandsmarkt. (Quelle: Gutachterausschuss Berlin, H1 2025)
Gleichzeitig wächst das Angebot deutlich: Im gesamten Jahr 2025 wurden in Berlin 28.925 Bestandswohnungen inseriert. In den ersten fünf Monaten 2026 waren es bereits 32.815 — mehr als im gesamten Vorjahr. (Quelle: Guthmann Estate, Market Intelligence Berlin Q2 2026)
Das bedeutet: weniger Verkäufe, mehr Angebot. Wer heute eine Wohnung inseriert, konkurriert mit deutlich mehr Angeboten als noch vor einem Jahr — bei gleichzeitig sinkender Zahl von Käufern, die tatsächlich abschließen.
Diese Zahlen sind wichtig als Hintergrund. Aber sie reichen nicht, um eine Verkaufsstrategie zu entwickeln. Denn was eine konkrete Wohnung betrifft — ihren Zustand, ihre Lage, ihre rechtlichen Besonderheiten, und vor allem die Frage, wie ein echter Käufer sie beim Betreten wahrnimmt — das steht in keiner Statistik.
Die Kosten für Renovierungen schrecken ab — mehr als je zuvor
Vor zwei, drei Jahren war eine Wohnung mit Renovierungsbedarf für viele Käufer eine Chance. Heute ist sie für viele ein Grund zum Verzicht.
Die Baukosten sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Ein umfassender Renovierungsumbau einer Berliner Altbauwohnung — Bäder, Küche, Böden, Elektrik — liegt heute schnell im Bereich von 1.000 bis 1.200 Euro pro Quadratmeter. Bei einer 80-Quadratmeter-Wohnung reden wir über 80.000 bis 100.000 Euro, die auf den Kaufpreis aufgeschlagen werden. (Quelle: Statistisches Bundesamt – Baupreisindex)
Was ich in der Praxis beobachte: Käufer, die eine Wohnung grundsätzlich gut finden, ziehen sich zurück, sobald sie die Renovierungskosten konkret kalkulieren. Nicht weil die Wohnung falsch bepreist ist — sondern weil die Gesamtrechnung nicht mehr aufgeht. Das ist ein strukturelles Problem des Marktes, kein Problem der einzelnen Immobilie. Aber es trifft Verkäufer von renovierungsbedürftigen Wohnungen heute besonders hart.
Neue Vorschriften verunsichern Käufer — und bremsen Entscheidungen
Berlin hat in den letzten Jahren eine Reihe von Regulierungen eingeführt, die sich direkt auf Kaufentscheidungen auswirken. Die meisten Käufer kennen sie nicht im Detail — aber sie spüren, dass etwas komplizierter geworden ist. Und Unsicherheit führt zu Verzögerung oder Verzicht.
Ein Beispiel, das ich in letzter Zeit häufig erlebe: Käufer, die eine Wohnung in einem Milieuschutzgebiet kaufen möchten und Renovierungspläne haben — eine Wand durchbrechen, ein Bad verlegen, einen Balkon anbauen. Was früher eine Frage des Handwerkers war, ist heute eine Frage der Genehmigung. Und diese Genehmigung ist in vielen Fällen schwer oder gar nicht zu bekommen. Wer das vor dem Kauf nicht weiß, erlebt eine böse Überraschung. Wer es weiß, überlegt es sich zweimal.
Das ist keine Kritik an den Regulierungen — sie haben ihre Gründe. Aber sie verändern, wie Käufer entscheiden. Und Verkäufer, die das nicht berücksichtigen, wundern sich, warum Besichtigungen nicht zu Angeboten führen.
Die Details, die niemand anspricht — aber jeder bemerkt
Es gibt Dinge, die in keinem Exposé stehen und in keinem Marktbericht auftauchen. Sie entscheiden trotzdem darüber, ob eine Wohnung verkauft wird oder nicht.
Der erste Eindruck beim Betreten. Der Geruch. Der Zustand des Treppenhauses. Ob das Licht in der Wohnung stimmt. Ob der Käufer sich vorstellen kann, hier zu leben — oder ob er sofort anfängt zu rechnen, was alles geändert werden müsste.
Ich habe Wohnungen gesehen, die objektiv gut bepreist waren und trotzdem monatelang keine Angebote bekamen — weil ein Detail, das der Verkäufer als unerheblich ansah, für die Mehrheit der Besucher ein Ausschlusskriterium war. Und ich habe Wohnungen gesehen, die schnell verkauft wurden, obwohl sie nicht perfekt waren — weil jemand vor dem Inserat ehrlich eingeschätzt hat, was Käufer sehen werden, und das in die Preisstrategie einbezogen hat.
Welche Details das konkret sind, ist von Wohnung zu Wohnung unterschiedlich. Es gibt keine Liste, die für alle gilt. Das ist genau der Punkt.
Der Preis beim ersten Inserat entscheidet — mehr als viele denken
Ein Punkt, den ich aus meiner täglichen Arbeit besonders deutlich sehe: Der Preis, mit dem eine Wohnung zum ersten Mal online geht, ist fast so wichtig wie die Wohnung selbst.
Die Aufmerksamkeit der Käufer ist am Anfang am höchsten. In den ersten zwei bis vier Wochen nach Veröffentlichung kommen die meisten Anfragen, die meisten Besichtigungswünsche, die ernsthaftesten Interessenten. Das ist das Fenster, in dem eine Wohnung verkauft wird — oder eben nicht.
Wer mit einem zu hohen Preis startet und nach einem oder zwei Monaten nach unten korrigiert, hat dieses Fenster bereits verpasst. Die Käufer, die zu Beginn aktiv gesucht haben, haben sich längst für etwas anderes entschieden. Und die Käufer, die später dazukommen, sehen eine Wohnung, die schon lange online ist — und fragen sich zu Recht, was damit nicht stimmt.
Eine Preissenkung nach zwei Monaten bringt selten das Ergebnis, das eine realistische Bewertung von Anfang an gebracht hätte. Nicht weil der neue Preis falsch wäre — sondern weil das Momentum verloren ist. Die Wohnung hat ihr wichtigstes Kapital verbraucht, ohne etwas dafür bekommen zu haben.
In einem Markt, in dem die Verkaufszeiten ohnehin länger werden, ist das ein Fehler, der doppelt teuer ist: Er kostet Geld und er kostet Zeit.
Was das für Verkäufer bedeutet
Der Berliner Markt hat sich verändert. Es gibt mehr Angebot, wählere Käufer und weniger Spielraum für Fehler. Das bedeutet nicht, dass Wohnungen nicht verkauft werden — es bedeutet, dass der Weg zum Verkauf heute anders aussieht als vor drei Jahren.
Wer heute verkauft, braucht eine ehrliche Einschätzung seiner Wohnung — nicht nur des Preises, sondern des gesamten Pakets: Zustand, Lage, rechtliche Besonderheiten, und vor allem die Frage, was ein konkreter Käufer beim Betreten dieser Wohnung denken wird.
Eine gute Verkaufsstrategie wird nicht improvisiert. Sie wird kalkuliert, durchdacht und auf die konkrete Immobilie zugeschnitten — mit dem richtigen Preis beim ersten Inserat, der richtigen Präsentation und einem klaren Verständnis dafür, wer der wahrscheinlichste Käufer ist und was ihn überzeugen wird.
Das ist keine Arbeit, die man am Schreibtisch mit Portalpreisen erledigt. Es ist Arbeit, die Erfahrung voraussetzt — mit Käufern, mit Gebäuden, mit dem Berliner Markt in seiner aktuellen Phase.
Wenn Sie wissen möchten, wie Ihre Wohnung heute auf Käufer wirkt — und was das für Ihre Verkaufsstrategie bedeutet — sprechen Sie mich gerne an. Das erste Gespräch ist unverbindlich.
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Quellenangaben:
– Guthmann Estate – Market Intelligence Berlin, Wohnungen Q2 2026
– Gutachterausschuss Berlin – Transaktionen Bestandswohnungen H1 2025
– Statistisches Bundesamt – Baupreisindex
– Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Berlin
Von Saverio Pallocca – Immobilienberater in Berlin | August 2026
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